Rouen

Normandie Tourisme

Wie ein Amphitheater in seiner Seineschleife gelegen, hat die Stadt seit jeher Maler fasziniert.

Pissarro schwärmte: "Sie ist schön wie Venedig".

Rouen

Die Angelegenheit beginnt mit den Romantikern. Der einheimische Maler Géricault studiert die Anatomie des Pferdes, die fortan einen großen Platz in seinem Werk einnehmen. Sein Freund Delacroix widmet sich intensiv der gotischen Architektur und den Ausstellungsstücken des Museums. Die Engländer malen wahre Wunderwerke: das Rue du Gros-Horloge von Bonington gilt als das Meisterstück romantischer Lithografie schlechthin. Turner realisiert ein wunderbares Aquarell mit seinem Rouen, façade ouest de la cathédrale. Die neue Art des Malens findet in Rouen ein fruchtbares Umfeld: ein wohlhabendes und kultiviertes Bürgertum, kundige Sammler, aufgeschlossene Kunstkritiker und eine ambitionierte Kunstgalerie für Avantgarde. Der kommunale Kunstsalon von 1872 vereinigt Werke von Monet, Sisley und Pissarro, die Creme de la Creme des Malstils, den man zu der Zeit noch nicht Impressionismus nennt.

Die Impressionisten halten sich häufig in Rouen auf. Monet macht den Hafen, die Segelschiffe auf der Seine und die im Zuge der industriellen Revolution entstehenden Arbeiterviertel zum Thema. Er hält sich allerdings noch zwei Jahrzehnte zurück, bis er sich der Kathedrale zuwendet. Cézanne kommentierte die daraus entstandene Serie: « Monet ist unser aller Meister. Ich werde ihn dem Bestand des Louvre hinzufügen ».

Vom Fenster seines Hotelzimmers aus - mit Blick auf die Seine malt Pissarro zahlreiche Varianten der Kais und der Brücken. Dabei versucht er Regen- und Dunststimmungen einzufangen. Er versucht sich in Aquarellen, experimentiert mit pointillistischen Techniken. Gauguin fertigt fast ein Jahr lang impressionistische Gemälde. Sisley und Lebourg stellen ihre Staffeleien an die Seineufer bei La Bouille und Sahurs. Unter dem Einfluss dieser Meister bildet sich die "Schule von Rouen". Das künstlerische Feuerwerk kommt in zwei legendären Ausstellungen zu seiner Apotheose. Die eine vereinigt 1907 die Prominenz des Fauvismus (Dufy, Matisse, Braque), die andere auf der Insel Lacroix 1912, wo Apollinaire eine Konferenz zum Thema "Orphische Kubismus" gegeben hat.

Zu Entdecken in Rouen

> Das Musée des Beaux-Arts

Das Museum der Schönen Künste in Rouen gehörte zu den ersten, die dem Publikum Bilder im Stil des Impressionismus präsentierte. Die Säle der impressionistischen Maler, die hier zum Teil mit herausragenden Werken vertreten sind, Degas, Renoir, Pissarro, Caillebotte, Dufy und andere, bilden den Höhepunkt des Museumsbesuches. Aber das 19. Jahrhundert ist insgesamt repräsentativ vertreten, die Romantik mit Géricault und Delacroix, die Naturalisten mit Corot und Huet, die Vor-Impressionisten mit Jongkind, Boudin und Lépine sowie mit Vertretern der Schule von Rouen.

> Der Hügel Sainte-Catherine und die Corniche von Bonsecours

Das Panorama ist üppig: die Seine mit ihren Brücken, die Stadt, die sich an die Kathedrale schmiegt, die Hügel der Umgebung (die Flaubert mit einem Amphitheater verglich) und im Vordergrund die Insel Lacroix. Sechzig Jahre nach Corot beginnt Monet hier seine Serie der Kathedralen mit Vue de Rouen depuis la côte Sainte-Catherine.

> Die Kathedrale von Rouen: das Wahrzeichen der Stadt

Die überreiche Ausstattung der Kathedrale, vor allem ihre herrlichen Fenster, erinnern daran, dass in Rouen die Malerei immer im Zusammenhang mit anderen Kunstformen stand, wie der Architektur, der Skulptur, der Keramik oder der Gravur...

Nach Bonington ist es an Monet, sich den Herausforderungen der gotischen Kathedrale zu stellen. Die Cathédrales de Rouen entstanden größtenteils in der ersten Etage eines gegenüberliegenden Geschäftes für Damenwäsche (heute der Sitz des Office de Tourisme).

Monet arbeitet wie besessen an bis zu vierzehn Bildern gleichzeitig. Er versucht, jede atmosphärische Nuance einzufangen. Das Ergebnis ist schlicht grandios. Insgesamt malt er 28 Ansichten der Kirchenfassade. Clémenceau, ein Bewunderer und Freund von Monet, sprach von einer bisher niemals erreichten Perfektion.

> Malen und essen wie Monet

Eine Einführung in die impressionistische Malerei Man benötigt keine Vorkenntnisse. Eine Künstlerin unterweist jeden Teilnehmer in der Maltechnik des Meisters. Eine andere Facette des Malerfürsten erschließt sich in Kochkursen auf der Grundlage von Rezepten, die Claude Monet hinterließ. Auskünfte erteilt das Office de Tourisme.

> Gros-Horloge

Seit der Zeit, als Bonington diese populäre Straße auf einer Lithografie verewigte, hat sie weder ihren Charme noch ihre Betriebsamkeit verloren. Sie führt direkt zum Gros-Horloge (große Uhr), häufiges Motiv bei den englischen Aquarellisten und den Malern der Schule von Rouen. In den Räumen des Turms befindet sich das begeisternde Museum der Zeit. Von der Aussichtsplattform ergibt sich ein 360°-Panorama über die Dächer der Altstadt die Pissarro inspirierten und die gotischen Spitztürme, die Rouen bei Victor Hugo den Beinamen "Stadt der 100 Kirchtürme" eintrugen.

> Der Justizpalast

Ein Bild von Lemaître charakterisiert die Atmosphäre in dem wundervollen Renaissance-Hof, vor allem in den Augenblicken, wenn die Leute in Roben in Erscheinung traten, darunter der berühmte Corneille. Der prachtvolle Saal des Staatsanwaltes, den Bonington malte, dient auch als Hintergrund beim l'Amende honorable von Delacroix. Im Jahr 1976 entdeckte man unter dem Ehrenhof die Überreste der Maison Sublime, dem ältesten jüdischen Monument in Frankreich. Dabei soll es sich um die einzige noch erhaltene mittelalterliche Rabbiner-Schule der Welt handeln.

> Das Viertel Saint-Maclou

Segers, ein Mitglied der Schule von Rouen, malte mit Enthusiasmus die Kirche Saint-Maclou, ein Juwel gotischer Architektur sowie den Aître Saint-Maclou, ein merkwürdiger Friedhof. Der Bach Robec fließt noch immer in der Mitte der pittoresken Rue Eau-de-Robec, häufiges Motiv der Maler, besonders von Monet und Lebourg.

> Der Hafen, die Kais und die Brücken

Der Spazierweg entlang der Kais eröffnet den Blick auf die Perspektiven, für die sich die alten Meister begeisterten. Zu diesen zählten Bonington und Turner, Corot und Garneray, Jongkind und Lépine, Monet und Guillaumin. Aber ohne Zweifel kommt Pissarro die Krone für die Darstellung dieser Landschaft zu. Seine Serie über den Hafen von Rouen, die rund 50 Bilder umfasst, verdiente eigentlich die gleiche Aufmerksamkeit wie jene über die Kathedrale von Rouen aus der Hand von Monet.

Office de tourisme de Rouen vallée de Seine

Eine Vielzahl weiterer Informationen finden Sie auch auf der Homepage des Comité Départemental de Tourisme de Seine-Maritime.