Etretat, Fécamp et la côte d'albâtre

Umgeben von mächtigen Kreidefelsen waren Etretat und sein Hafen im 19. Jahrhundert nur schwer zugänglich. Das machte das kleine Fischerdorf für jene Landschaftsmaler interessant, die unverfälschte Motive suchten. Als erster entdeckte Isabey 1820 diesen pittoresken Flecken Erde.

Etretat

Monet verbringt den gesamten Winter 1868 in Etretat und malt unter anderem La Porte d'Aval par gros Temps und eine phantastische Schneelandschaft, La Pie. Sein Freund Courbet bringt seine Wellen-Serie auf die Leinwand. Er ist der erste, der Wellen zum eigenständigen malerischen Thema macht. Maupassant beobachtet sie bei ihrer Arbeit unter freiem Himmel direkt am Motiv und verteidigt leidenschaftlich alle diejenigen, die sich auf der Suche nach einer bisher unentdeckten Wahrheit befinden.

In den achtziger Jahren kehrt Monet häufig nach Etretat zurück. Stets wohnt er im Hotel Blanquet, wo er einige seiner Meisterwerke ausführt. Caillebotte malt den Père Magloire auf der Straße nach Etretat. Boudin erhellt seinen Lebensabend mit lichtdurchfluteten Bildern.

Oben läuft der Wanderweg entlang (GR 21), der Le Havre mit Le Tréport verbindet. Auf dem weiten Plateau befindet sich, was die Lage angeht, einer der schönsten Golfplätze überhaupt.

Zu entdecken in Etretat

> Im Westen: die Falaise und die Porte d’Aval, l’Aiguille und die Manneporte

Die drei gewaltigen Felsformationen verdanken ihre Berühmtheit Monet und Courbet, die sie malten. Von der Falaise d'Aval in schwindelnder Höhe über dem Strand genießt man einen herrlichen Blick auf die gegenüberliegende Falaise d'Amont, die, so Maupassant, das Bein eines Giganten ins Meer hält und auf die Aiguille, von der Lebanc fälschlicherweise behauptete, sie sei hohl.

Die Falaise d'Aval: Ihren Gipfel in 85 Metern Höhe erreicht man auf einem Weg und anschließend auf einer Treppe zur Linken des Deiches. Oben läuft der Wanderweg entlang (GR 21), der Le Havre mit Le Tréport verbindet. Auf dem weiten Plateau befindet sich, was die Lage angeht, einer der schönsten Golfplätze überhaupt.

Die Porte d'Aval: Ein riesiger Felsbogen im Meer, der als eines der natürlichen Weltwunder gilt.

Die Aiguille: Wie ein Obelisk ragt die Felsnadel 70 Meter hoch aus dem Meer.

Die Manneporte: Ein imposantes Felsentor, das zu den Lieblingsmotiven von Claude Monet gehörte.

> Im Osten: die Falaise und die Porte d’Amont

Die Falaise d'Amont: Gekrönt wird der Felsen von einem Kruzifix und einer charmanten kleinen Kapelle. Von hier aus schweift der Blick über Etretat, Falaise d'Aval, Arche und Aiguille, ein unvergleichlich romantisches Panorama.

> Der Strand

Hier finden sich Feriengäste, Fischer und Einwohner in friedlicher Kohabitation zusammen, wie schon auf den Gemälden von Boudin Les Pêcheurs sur la Plage und Les Lavandières sur la Plage d'Etretat. Beim Spaziergang am Perrey, wie die Küste auf Cauchois (der Dialekt der Region) heißt, entdeckt man das Wirken von Monet in Etretat an Hand von Schautafeln.

> Die Villen

Zahlreiche Villen des ausklingenden 19. Jahrhunderts und der Belle Epoque bilden den architektonischen Reichtum von Etretat und seiner Umgebung. Die bekannteste unter ihnen, die Villa Orphée, wurde von Offenbach erbaut. Der Clos Arsène Lupin, das Haus von Maurice Leblanc und die Villa La Guillette, das dem Dichter Guy de Maupassant gehörte, befinden sich allesamt in der nach ihm benannten Straße.

In der Umgebung von Etretat

> Yport

Alfred Nunès, Bürgermeister von Yport von 1886 bis 1893, ein leidenschaftlicher Adept zeitgenössischer Kunst, gab bei Renoir im Jahr 1883 ein Porträt seines Sohnes in Auftrag. So entstand das famose Jeune Garçon sur la Plage d'Yport.

Einige Jahre später stellt Schuffenecker, der zusammen mit Gaugin, Seurat und Anquetin zur Avantgarde des Postimpressionismus zählt, in seinem Des Rochers à Yport die dortigen Felsen in erstaunlich moderner Weise dar.

> Fécamp

Die Stadt erbaute 1832 als einer der ersten Badeorte ein Kasino und eine Bäderanlage. Zur Badesaison finden sich anschließend Journalisten, Politiker, Aristokraten und der Geldadel ein, in ihrem Fahrwasser reichlich Maler, vor allem solche, die das Meer thematisieren.

> Der Palais Bénédictine

Dieses herausragende architektonische Ensemble weist gleich drei verschiedene Attraktionen auf: Die Destillerie des berühmten Likörs Bénédictine, eine Sammlung religiöser Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts und eine Galerie mit zeitgenössischer Kunst.

> Der Hafen

In Erinnerung an das Jahr, in dem ihre Eltern, Eugène Manet und Berthe Morisot, Seite an Seite ihr Bateaux en Construction malten, scherzt Julie Manet: « Und am Ende des Sommers waren sie dann verlobt! »

> Die Felsen

Manet hält sich mit seiner gesamten Familie in Fécamp auf. Degas kommt zu Besuch und malt das Porträt Eugène Manet à Fécamp mit dem Meer im Hintergrund. In den achtziger Jahren wagt sich Monet an das grandiose Thema der Klippen. Er wohnt am Hafen in einer Matrosenunterkunft und realisiert dort 16 Ansichten der mächtigen Kreidefelsen. Er malt sie zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichen Wetterbedingungen, womit dieses Ensemble als Vorläufer seiner künftigen Serien in Giverny gelten kann.

> Die Kapelle Notre-Dame-de-Salut und das Panorama des Cap Fagnet

Die Kapelle wurde im 11. Jahrhundert von Robert le Magnifique erbaut. An den Wänden finden sich eine Reihe von Votivgemälden, darunter zahlreiche aus der Hand von Eugène Gradin.

> Das Musée des Terre-Neuvas et de la Pêche

Beim Besuch von Fécamp sollte man sich dieses Museum direkt am Meer nicht entgehen lassen. Es zeichnet die Geschichte der Stadt nach. Neben der Sammlung von Objekten aus der maritimen Vergangenheit präsentiert das Museum auch eine reiche Palette an Malern der Region, unter ihnen Le Poittevin, Diéterle, Laurens und Prins.

In der Umgebung von Fécamp

> Les Petites-Dalles

Léon Monet, der ältere Bruder von Claude, besaß eine Villa in diesem friedlichen Taleinschnitt. Bei seinen zahlreichen Besuchen malt dieser mehrere Ansichten der Küste. Diese erweisen sich als derartig erfolgreich, dass ihm der Kunsthändler Durand-Ruel vertraglich die Abnahme seiner gesamten Produktion zusichert. So malt Monet in den folgenden sechs Jahren nicht weniger als 150 Bilder der normannischen Küste!

> Valmont

Seit seiner Kindheit verbringt Delacroix seine Ferien auf Schloss Valmont bei seinem Cousin Riesener. Delacroix fertigt zahlreiche Skizzen der alten Kirche und der Kapelle de la Vierge, bei der er die Fenster und die Rosette zeichnet.

In der Abtei von Valmont, die 1830 von den Vettern Delacroix erworben wird, realisiert er mehrere Gemälde und Aquarelle.

> Saint-Valery-en-Caux

Schon 1923 malt Bonington sein Meisterwerk Bateaux sur la Grève en Normandie, dessen geniale Lichtsetzung und Farbgebung den Preimpressionismus vier Jahrzehnte vorweg nimmt. Jongkind entdeckt Saint-Valery-en-Caux an der Seite seines Meisters, Isabey, im Jahr 1845.

> Das Schloss von Mesnil-Geoffroy

Dieses Schloss aus dem 18. Jahrhundert, einst im Besitz des Prinzen von Montmorency, beherbergte Victor Hugo und Saint-Exupéry. Es verfügt über einen Park nach Plänen von Colinet und die größte private Rosenzucht in der Normandie.

 

Wir danken Jacques Silvain Klein für die Überlassung seiner Artikel, die er für den Reiseführer Le Routard "La Normandie des Impressionnistes" verfasst hat. Dieser ist im Buchhandel erhältlich.

Schon 1923 malt Bonington sein Meisterwerk Bateaux sur la Grève en Normandie, dessen geniale Lichtsetzung und Farbgebung den Preimpressionismus vier Jahrzehnte vorweg nimmt.

Fremdenverkehrsämter