Die Stadt Bayeux kann sich rühmen, eine der berühmtesten Stickereien der Welt zu besitzen: den Wandteppich von Bayeux. Hier verraten wir Ihnen einige der Geheimnisse dieses ehrwürdigen Schatzes, der uns seit fast tausend Jahren die Heldengeschichte von Wilhelm dem Eroberer erzählt.
Geheimnis Nr. 1: Königin Mathilde ist nicht die Urheberin
Einer weit verbreiteten Legende zufolge soll Königin Mathilde den Teppich gestickt haben, während sie auf die Rückkehr ihres Mannes wartete. Tatsächlich sind uns der oder die Urheber unbekannt. Die meisten Historiker gehen davon aus, dass das Werk von Bischof Odon von Conteville, dem Halbbruder Wilhelms des Eroberers, in Auftrag gegeben wurde, um das Kirchenschiff der damals im Bau befindlichen Kathedrale von Bayeux zu schmücken. Tatsächlich könnte man den Teppich von Bayeux als historischen Comic bezeichnen. Im 11. Jahrhundert waren die meisten Menschen Analphabeten und die Darstellung von historischen Ereignissen in Bildern sehr häufig. Heute jedoch ist der Wandteppich von Bayeux eines der letzten Zeugnisse aus dem Mittelalter und gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.
Geheimnis Nr. 2: Die Zeit hat seiner Schönheit keinen Abbruch getan
Das Werk ist eine Stickerei im sogenannten „Bayeux-Stich“ und besteht aus 10 farblich unterschiedlichen Wollfäden und 9 Leinwandbahnen. Im Laufe der Jahrhunderte haben Wachsflecken und Rostspuren auf dem Bild ihre Spuren hinterlassen. Wenn Sie bei Ihrem Besuch genauer hinsehen, werden Sie diese Spuren leicht wiederfinden. Vielleicht fällt Ihnen sogar auf, dass die letzte Szene herausgeschnitten wurde?

Geheimnis Nr. 3: Ein reisendes Kunstwerk!
In den fast tausend Jahren seines Bestehens hat der Teppich Bayeux zweimal verlassen. Zwischen 1803 und 1804 wurde er für einige Monate im Louvre ausgestellt. Im 20. Jahrhundert begann dann eine wahre Odyssee: Während des Zweiten Weltkriegs gelangte er über die Abtei Juaye-Mondaye in der Nähe von Bayeux nach Sourches und schließlich nach Paris. Um ein Haar wäre der Teppich sogar auf Wunsch Himmlers nach Deutschland geschickt worden!
Geheimnis Nr. 4: Wer bin ich?
Wenn ich…
- …ein Maß wäre: 68,38m. Das ist meine exakte Größe. Außerdem bin ich kein Teppich, sondern ein Leinentuch mit 58 gestickten Szenen.
- ein Märchen wäre: „Der Rabe und der Fuchs“ von Aesop… Schauen Sie genau hin, sie befinden sich an meinem unteren Rand.
- eine Zahl wäre: 202, wie die gestickten Pferde auf meiner Leinwand.
- eine Pflanze wäre: Färberwaid, die zum Färben einiger meiner Garne in Gelbtönen verwendet wird.
- eine Fan-Fiction wäre: Episode 10 der 19. Staffel der Simpsons. Ich bin nämlich in einer Szene zu sehen.
- ein Videospiel wäre : Diablo 2. Ich bin auf einer der Wände meines ersten Zuhauses zu sehen: der Kathedrale von Bayeux.
- ein Kriminalroman wäre: „Intrigue à l’anglaise“, der die Geschichte einer jungen Denkmalpflegerin erzählt, die auf der Suche nach meiner letzten Szene ist.
- eine Anekdote wäre: Auf der anderen Seite des Ärmelkanals haben Künstler eine „Overlord Stickerei“ geschaffen, die von der anderen Landung berichtet: der von 1944.


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