Mittelalterliche Chronologie der Normandie

Auf dieser Seite finden Sie die wichtigsten Daten des Mittelalters in der Normandie

911 n.Chr.: Der Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte

Zu Beginn des 10. Jahrhunderts fielen Wikinger zahlreiche Male in Frankreich ein. In dem Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte vereinbarten Karl III., König von Frankreich, und der Wikingeranführer Rollo, dass sich die Wikinger im Gebiet „Neustria“ niederlassen können – unter der Bedingung, dass Sie Frankreich vor weiteren Attacken der Wikinger beschützen würden. Dieser Vertrag besiegelt die Gründung des Herzogtums der Normandie (das Land der „Nordmänner“ – Normannen).

966 n.Chr.: Gründung einer Benediktiner-Abtei auf dem Mont-Saint-Michel

Auf Befehl des damaligen Herzogs der Normandie, Richard I., siedelten sich einige Benediktinermönche auf dem Mont-Saint-Michel an und gründeten eine Abtei. Die Abtei florierte aufgrund der zahlreichen Pilger, die den Berg schon hunderte Jahre vorher als Pilgerort entdeckt hatten. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurde die Abtei Heimat für über 50 Mönche.

1027 n. Chr.: Die Geburt Wilhelms

Der Herzog der Normandie, Robert der I., und Arlette, die Tochter eines Gerbers, waren die Eltern von Wilhelm dem Eroberer, der sehr wahrscheinlich in Falaise im Jahr 1027 geboren wurde. Obwohl Wilhelm ein uneheliches Kind war, dachte sein Vater gut von ihm und ließ ihm eine gute Erziehung zuteilwerden. Als Wilhelm sechs Jahre alt war, entschied sich sein Vater, den langen und beschwerlichen Weg nach Jerusalem auf sich zu nehmen. Zuerst jedoch berief er die religiösen Würdenträger und den Adel ein und ließ sie einen Treueschwur auf den jungen Erben schwören. An diesen Schwur hielten sie sich, bis Robert während seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land 1035 starb. Dann jedoch brachen die normannischen Adeligen ihr Versprechen und wandten sich gegen den jungen Wilhelm. Der junge Herzog entkam mehreren Anschlägen auf sein Leben – in dieser Zeit bildete sich sein Kämpfergeist heraus.

Der Herzog der Normandie, Robert der I., wahrscheinlich in Falaise im Jahr 1027 geboren wurde.

1047 n. Chr.: Die Schlacht von Val-es-Dunes

Das Verhältnis zwischen Wilhelm und den rebellierenden normannischen Baronen klärte sich schließlich mit der Schlacht von Val-es-Dunes, im Osten der Stadt Caen, im Jahr 1047. Wilhelm selbst mischte sich mitten unter die Kämpfenden und gewann diese Schlacht mit seinen Männern schließlich. Nachdem er die Barone besiegt hatte, konfiszierte Wilhelm einen Großteil ihrer Besitztümer, stellte jedoch sicher, dass sie nicht völlig mittellos wurden. Einige Jahre später verfügte Wilhelm, dass die beschlagnahmten Güter und die entzogenen Titel an die Barone zurückgegeben wurden, wohl wissend, dass die Adeligen in seiner Schuld stehen würden. Dieser gerissene Plan trug einige Jahre später seine Früchte, nämlich im Jahr 1066, als der gesamte normannische Adel eine Einheit hinter Wilhelm bildete, um England zu erobern.

1050 n.Chr.: Wilhelm heiratet Mathilde

Die Heirat zwischen Wilhelm und Mathilde wurde nicht nur aus Liebe, sondern auch aus politischem Interesse heraus beschlossen. Indem Wilhelm, Herzog der Normandie, Mathilde von Flandern heiratete, konnte er die Beziehung zwischen diesen beiden Regionen verstärken.

Diese Verbindung wurde jedoch nicht von allen gut geheißen. Auf dem Konzil in Reims im Jahre 1049 verbat Papst Leo IX. Baldwin, dem Vater von Mathilde, diese mit Wilhelm zu verheiraten. Er berief sich dabei auf die Blutlinie, die beide verband (Mathilde war eine entfernte Cousine von Wilhelm). Wahrscheinlicher für diesen Einwand des Papstes ist jedoch nicht der Verwandtschaftsgrad, sondern die Tatsache, dass Papst Leo IX. ein Unterstützer Kaiser Heinrichs III. war, der sich zu dieser Zeit im Krieg mit Baldwin befand.

Wilhelm widersetzte sich der Anordnung des Papstes und heiratete seine Mathilde im Jahr 1050. Heute wird angenommen, dass der Papst ihre Ehe doch noch anerkannte, nachdem beide jeweils eine der beeindruckenden Abteien in Caen errichten ließen – die Abtei der Männer und die Abtei der Frauen. Mathilde war eine sehr einflussreiche Gemahlin, eine bescheidene und weise Königin, eine Kirchenstifterin, die von ihren Zeitgenossen sehr geschätzt wurde.

1066 n.Chr.: Der Bau des Schlosses von Caen

Das Schloss von Caen wurde von Wilhelm um das Jahr 1060 gebaut, in der Zeit zwischen seiner Eroberung Englands (1066) und dem Kampf gegen seine abtrünnigen Barone (1047). Der Herzog benötigte eine zweite Hauptstadt, als Gegengewicht zu Rouen und um seine Macht im Westen der Normandie zu behaupten. Wilhelm entschied sich, seine Festung auf einem steinigen Hügel zu erbauen, um einen idealen Blick über das Tal des Flusses Orne zu haben. So hatte er alle Bewegungen im Tal im Blick. Der äußere Wall der Feste war schnell errichtet und schützte den Palast und den Hof, der sich auf ca. 4,8 Hektar erstreckte. Später wurde die Festung um einen großen Empfangssaal bereichert, hinzu kam weiterhin ein Burgverlies im englisch-normannischen Stil. Diese Anbauten wurden durch Heinrich den I. vorgenommen, Wilhelms Sohn und Nachfolger als normannischer Herzog und König von England.

Das Schloss von Caen wurde von Wilhelm um das Jahr 1060 gebaut

1066 n.Chr.: Die Schlacht von Hastings

Im Herbst des Jahres 1066 nahm Wilhelm mit seinen Truppen Kurs auf die englische Küste. Sein Ziel war kein geringeres als die Eroberung Englands. Die Ereignisse, die zu dieser Schlacht führten und der Verlauf der Schlacht selbst können noch heute auf dem Teppich von Bayeux (UNESCO-Welterbe, 11. Jahrundert) bestaunt werden.

Im Jahr 1051 ernannte Eduard, der König von England, Wilhelm den Eroberer zu seinem Nachfolger. Er wählte Harald von Wessex, einen der bedeutendsten Edelmänner Englands, aus, in die Normandie zu reisen und Wilhelm die Botschaft zu überbringen.

1064 machte sich Harald auf in die Normandie, wurde jedoch auf dem Weg gefangen genommen und von Wilhelm aus dieser Situation gerettet. Harald wurde daraufhin von Wilhelm eingeladen, gemeinsam gegen den Herzog der Bretagne zu kämpfen. Während dieser Zeit informierte Harald Wilhelm über den Wunsch König Eduards, dass Wilhelm nach dessen Tod König von England sein solle. Harald schwor einen Eid, dem Wunsch des Königs nach dessen Tod nachzukommen.

So wurde Wilhelm am 25. Dezember 1066 in der Abtei von Westminster zu Wilhelm I., König von England, gekrönt. Er erhielt den Beinamen „der Eroberer“.

Nach seiner Rückkehr traf Harald König Eduard noch einmal kurz vor seinem Tod. Nicht lang nach diesem Treffen brach Harald seinen Eid und krönte sich selbst zum König von England. Die Nachricht von Haralds Krönung erreichte die Normandie. Wilhelm begann daraufhin umgehend, eine Flotte zu bauen, um nach England zu fahren. Dort würden beide Thronanwärter den Kampf um den englischen Königstitel führen.

Die Schlacht von Hastings fand am 14. Oktober 1066 statt. Die englische Armee kämpfte zu Fuß, hinter einer schützenden Mauer aus Schildern. Die normannische Armee kämpfte zu Pferd. Wilhelms Armee war zu stark für den englischen Gegner. Man sagt, dass die englischen Soldaten sich nach dem Tod ihres Anführers Harald ergaben.

So wurde Wilhelm am 25. Dezember 1066 in der Abtei von Westminster zu Wilhelm I., König von England, gekrönt. Er erhielt den Beinamen „der Eroberer“. Mit diesem Namen ging er in die Geschichte ein.

1078 n.Chr.: Robert rebelliert gegen seinen Vater

Im Jahr 1077 gerät Robert, der älteste Sohn von Wilhelm und Mathilde, in Konflikt mit seinen Brüdern. Letztere hatten ihm einen Streich gespielt, ein Umstand, den Robert so nicht auf sich sitzen lassen wollte und nun seinerseits versuchte, die Brüder in ihre Schranken zu verweisen. Die daraus entstandene Schlägerei zwischen den Brüdern musste von Wilhelm geklärt werden; Robert nahm seinem Vater dies übel und fühlte sich in seiner Ehre verletzt. Wilhelm weigerte sich darüber hinaus, seine zwei jüngeren Söhne zu bestrafen. Dieses Verhalten machte Robert noch wütender und er beschloss, sich gegen seinen Vater aufzulehnen.

Robert und seine Anhänger versuchten, das Schloss von Rouen einzunehmen, scheiterten jedoch. Wilhelm befahl daraufhin, sie einzusperren. Der rebellierende Erbe Robert flüchtete zu seinem Onkel, Robert I. von Flandern, und fuhr damit fort, das Vexin (Gebiet an der Seine, historische Bezeichnung) zu plündern. Dieses Verhalten veranlasste Wilhelm dazu, seine Kräfte mit denen des französischen Königs Philip I. zu vereinen, um Robert zu stoppen. Die Tatsache, dass Mathilde ihrem Sohn heimlich Geld zusandte, verbesserte die Situation nicht. Während einer Schlacht im Jahr 1079 gelang es Robert sogar, seinen Vater vom Pferd zu stoßen. Als Robert die Stimme seines Vaters erkannte, ließ er von ihm ab und verhinderte so Schlimmeres. Wilhelm verfluchte seinen Sohn auf dem Schlachtfeld und kehrte umgehend nach Rouen zurück.

Im Jahr 1080 versöhnten sich Vater und Sohn dank der Bemühungen von Königin Mathilde. Der Waffenstillstand hielt an bis zu ihrem Tod im Jahr 1083.

1083 n.Chr.: Der Tod von Mathilde

Geschwächt durch den andauernden Konflikt zwischen ihrem Mann Wilhelm und ihrem ältesten Sohn Robert sowie durch ihre zahlreichen Schwangerschaften fiel Mathilde im Jahr 1083 der Pest zum Opfer und wurde in der Abtei der Frauen in Caen beerdigt. Wilhelm versank in einer tiefen Depression aufgrund des Todes der Frau‚‘die er über alles in der Welt liebte‘.

Das Grab der Königin wurde während der Religionskriege im Jahr 1562 erstmals entweiht. Nach seinem Wiederaufbau wurde es im Rahmen der französischen Revolution im Jahr 1793 zum zweiten Mal zerstört und 1815 wieder aufgebaut. 1959 wurde es während Renovierungsarbeiten endgültig wiederhergestellt.

1085 – 1086 n.Chr.: Die Erschaffung des „Domesday Book“

Durch die Eroberung Englands waren normannische Adelige dazu in der Lage, angelsächsische Besitztümer als ihr Eigentum zu beanspruchen. Wilhelm selbst genoss ein ansehnliches Einkommen, welches er aus England bezog. Um die Reichtümer des Königreichs besser beziffern zu können, beschloss er, ein Inventar aller Besitztümer anzulegen: Ländereien, die Anzahl der Menschen, Tiere, Gebäude…nichts würde der Bestandsaufnahme entgehen!

Zusätzlich zu dieser Auflistung enthält das „Domesday Book“, welches 1086 fertig gestellt wurde, zahlreiche Informationen zu der anglo-normannischen Gesellschaft des 11. Jahrhunderts. Noch heute feiern die Engländer die Erschaffung dieses Buches, da es zum ersten Mal eine detaillierte Übersicht der Städte und Dörfer Englands beinhaltet. Eine Replik dieses Buches kann auf einem Bildschirm im Museum des Teppichs von Bayeux angeschaut werden.

1087 n. Chr.: Der Tod von Wilhelm

Im Juli 1087, während einer Schlacht gegen den König von Frankreich um das Vexin-Gebiet, fiel Wilhelm von seinem Pferd. Unter großen Schmerzen wurde er in seinen Palast in Rouen zurückgebracht. Er starb am Morgen des 9. September 1087. Seinem Wunsch entsprechend wurde sein Körper nach Caen gebracht und in der Abteikirche Saint-Etienne (Abtei der Männer) beigesetzt. Sein mächtiges Königreich wurde nach seinem Tod unter seinen Söhnen Robert Courteheuse und Wilhelm dem Roten aufgeteilt, bevor es durch seinen Sohn Henri Beauclerc in seiner Gesamtheit übernommen wurde.