In der Bucht des Mont Saint-Michel herrschen die stärksten Gezeiten Europas. Bei Ebbe zieht sich das Meer bis zu 15 Kilometer von der Küste zurück. Und bei Flut sprechen die Einheimischen davon, dass die Flut in der Bucht „wie ein Pferd im Galopp“ auf die Küste trifft. Das ist zwar etwas übertrieben, aber immerhin bewegt sich das Wasser mit einer Geschwindigkeit von etwa 6 km/h vorwärts! Ein Naturschauspiel, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten.
Der Mont Saint-Michel wird zur Insel!
Die Stärke der Gezeiten wird mit einem Koeffizienten angegeben. Von „grandes marées“ – starken Gezeiten – spricht man, wenn der Gezeitenkoeffizient über 90 liegt, dann können Sie das Naturphänomen auch am Mont Saint-Michel sehen. Wenn der Gezeitenkoeffizient über 110 liegt, wird der Klosterberg wieder zur Insel und für eine gute Stunde vom Meer umspült.
Informieren Sie sich auf der Website des Fremdenverkehrsamtes über die Gezeitenzeiten in der Bucht des Mont Saint-Michel.
Wichtig: Aufgrund der starken Gezeiten in der Bucht des Mont Saint-Michel bitten wir Sie, sich nie allein in das Watt der Bucht zu begeben, es kann schnell gefährlich werden!

Die besten Aussichtspunkte
Wo lässt sich dieses Naturereignis am besten beobachten?
Um das Phänomen des ansteigenden Meeres und die Ankunft der Mascaret (Gezeitenwelle) zu beobachten, sollten Sie idealerweise zwei Stunden vor Tide-Höchststand am Mont Saint-Michel sein. Dieses spektakuläre Naturereignis lässt sich am besten von folgenden Aussichtspunkten aus beobachten:
- Von der Bucht aus: la Roche Torin in Courtils, le Grouin du Sud in Vains-Saint-Léonard oder le Gué de l’Epine in Val-Saint-Père.
- Von der Stegbrücke aus
- Von den Stadtmauern und dem Vorplatz der Abtei aus
Wie entstehen die Gezeiten?
Das Phänomen der Gezeiten auf der Erde wird hauptsächlich durch die Anziehungskraft des Mondes hervorgerufen. Der Mond übt eine Anziehungskraft auf die Erde aus, die auf der Seite, die dem Mond zugewandt ist, stärker ist als auf der gegenüberliegenden Seite. Diese unterschiedliche Anziehungskraft führt dazu, dass sich das Wasser auf der mondzugewandten Seite zu einem Flutberg wölbt. Auf der mondabgewandten Seite ist die Gravitationskraft des Mondes kleiner als die Fliehkraft. Die Wassermassen verschieben sich in die entgegengesetzte Richtung und es entsteht ein zweiter Flutberg.
Praktische Informationen
Übersicht über die Gezeiten in der Bucht des Mont Saint-Michel
GezeitentabelleWarum gibt es zweimal täglich Hochwasser und zweimal täglich Niedrigwasser?
Die Erde dreht sich bei ihrer täglichen Rotation vereinfacht gesagt unter den Flutbergen hindurch. Dadurch gibt es zweimal täglich Hochwasser und zweimal täglich Niedrigwasser.
Wann spricht man von großen und wann von kleinen Gezeiten (Spring- und Nipptiden)?
Der Mond verursacht die Gezeiten, aber auch die Sonne hat einen Einfluss auf die Bewegungen des Meeres. Wenn Mond und Sonne in einer Linie stehen, addieren sich ihre Anziehungskräfte und sorgen für die großen Gezeiten (Springtiden). Wenn der Mond die Erde im rechten Winkel zur Sonne umkreist, wirken ihre Kräfte gegeneinander und wir haben es mit kleinen Gezeiten zu tun (Nipptiden). Diese Gezeiten werden durch Koeffizienten definiert: Je höher der Koeffizient, desto höher ist der Meeresspiegel. Ab einem Koeffizienten von 110 wird der Mont Saint-Michel wieder zu einer Insel.
Warum sind die Gezeiten zur Tagundnachtgleiche die wichtigsten des Jahres?
Weil die Sonne an diesen Tagen dem Äquator am nächsten ist und ihre Anziehungskraft auf die Erde stärker ist. Wenn auch noch der Mond auf der gleichen Achse steht, haben wir es mit sehr starken Gezeiten zu tun. Zur Erläuterung: Tagundnachtgleiche (Équinoxe)bezeichnen die Zeitpunkte im Jahr, an denen die Sonne senkrecht über dem Äquator steht, was zu etwa gleichen Tages- und Nachtlängen führt. Diese treten im Frühling (März) und Herbst (September) auf.
Was ist eine Mascaret (Gezeitenwelle)?
In der Bucht des Mont Saint-Michel ist der Mascaret nur während der großen Gezeiten zu sehen. Es handelt sich dabei um eine Welle aus dem Ärmelkanal, die die gegenläufigen Strömungen der drei Küstenflüsse Couesnon, Sélune und Sée überdeckt. Dieses seltene Naturphänomen ist ein grandioses Naturschauspiel, das auch von erfahrenen Kajakfahrern genutzt wird.
