In der wildromantischen Landschaft der Halbinsel Cotentin fand der Maler Jean-François Millet die Inspiration, die Ende des 19. Jahrhunderts zum Impressionismus führte. Einige Jahre später folgen ihm avantgardistische Künstler wie Boudin, Renoir oder Seignac und stellen ihre Staffeleien in diesem versteckten Teil der Normandie auf und malen das Lichtspiel unterm normannischen Himmel. Mit der gleichen Neugier und der Sehnsucht, die eingetretenen Pfade zu verlassen, folgen wir den impressionistischen Malern von Caen bis ins Cotentin in der Normandie.

Von Caen bis nach Bayeux
auf den Spuren des Impressionismus in der Normandie

Tableau de Paul Signac, le phare de Gatteville, huile sur toile
© Musée Thomas Henry

Starten Sie Ihre Reise zu den Ursprüngen des Impressionismus im Schloss von Caen, in dem das Museum der Schönen Künste von Caen hübsche impressionistische Gemälde von Monet, Courbet oder Bonnard ausstellt. Beobachten Sie die Landschaftsgemälde von Stanislas Lepine: Er stellte seine Gemälde ebenfalls 1874 während der Ausstellung der Impressionisten aus und kam regelmäßig im Sommer nach Caen, um zu malen. Der Impressionismus ist die erste Kunstrichtung, die gesellschaftlichen Wandel in der freien Luft mit schnellen Pinselstrichen festgehalten hat – der Einstieg in die moderne Kunst! Deshalb ist der Bogen zu heutigen modernen Künstlerinnen und Künstlern, wie z.B. Joan Mitchell, schnell geschlagen. Auch sie arbeitet mit ausdrucksstarken Farben! In der Artothèque von Caen wartet noch mehr zeitgenössische Kunst auf Sie. Nach einem Spaziergang durch das „Tal der Gärten“ von Caen – einem großen Landschaftspark – fahren Sie nach Bayeux. In dem mittelalterlichen Palast des Erzbischofs ist das Kunst- und Geschichtsmuseum Baron Gérard untergebracht. Gemälde von Boudin und Caillebotte gehören zur Sammlung, darunter „Portraits à la campagne“ (Portraits auf dem Land) und „Paysage à Argenteuil“ (Landschaft von Argenteuil).

Die wilde Landschaft des Cotentin

Cap de la Hague

Ihre Reise durch die Normandie führt Sie nach Westen, auf die Halbinsel Cotentin, die wilde Schöne der Normandie. Hier fühlen Sie sich wie am Ende der Welt. Die langen Sandstrände wechseln sich ab mit Felsvorsprüngen und einer weiten, unberührten Landschaft. In Saint-Vaast-la-Hougue essen Sie Austern mit Blick auf die kleine Wikingerinsel Tatihou und beobachten Sie das stetige Kommen und Gehen des Meeres. Ein Stückchen weiter nördlich wartet Barfleur auf Sie, die Perle des Tals der Saire und eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Signac hat hier den Leuchtturm von Gatteville gemalt. Steigen Sie die 365 Stufen hinauf und genießen Sie den weiten Blick über die normannische Küste. Setzen Sie Ihre Reise in Richtung Cap de la Hague fort. Bei einem Mittagessen im Hotel-Restaurant L’Erguillère oder Landemer mit Meerblick gleiten Sie ganz sanft in das Universum von Jean-François Millet.

Ein Atelier mit Meerblick im Westen der Normandie

Im Westen der Normandie malt die Natur wunderschöne Landschaften aus Heidekraut und Stechginster. Hier liegt die Heimat von Jean-François Millet, dem Maler des berühmten Meisterwerks Angélus (zu bewundern im Musée d’Orsay in Paris). Auf dem Wanderweg Alter Zöllnerpfad oder durch das friedliche Landesinnere verstehen Sie leicht, welche Eindrücke und Lichtspiele den Künstler inspiriert haben. Millet hat eine führende Rolle im Realismus und öffnet, zusammen mit Courbet, den Weg zum Impressionismus. In seinem Geburtshaus lernen Sie seine Geschichte kennen, betrachten originelle Gemälde und erfahren Details über das Leben auf dem Land im 19. Jahrhundert. Im Museum Thomas Henry von Cherbourg bestaunen Sie die zweitgrößte Millet-Sammlung Frankreichs (nach dem Musée d’Orsay). Lassen Sie sich außerdem überraschen von Werken von Fra Angelico, Poussin, David und anderen Künstlern der Halbinsel Cotentin im 19. Jahrhundert, wie zum Beispiel Fréret. Er war einer der ersten, der seine Staffelei am Cap de la Hague aufstellte. Ihre Reise endet hier, auf der Halbinsel Cotentin, auf der die Geschichte des Impressionismus begann.

Unser Tipp: Urlaubsglück in Barfleur

Beobachten Sie die muntere Geschäftigkeit dieses hübschen Hafens, idealerweise dann, wenn die Fischer die wilde Miesmuschel „Blonde de Barfleur“ an Land bringen. Zwischen Granithäusern und der Kirche Saint-Nicolas entdecken Sie einmal mehr eine Inspirationsquelle für den Impressionismus: Seignac malte die Kirchensilhouette von Barfleur während seines fünfjährigen Aufenthalts in Barfleur.

Praktische Informationen

Museum der Schönen Künste von Caen
Le Château
14 000 Caen
0033(0)2 31 30 47 70
mba.caen.fr
 
Arthotèque von Caen
Espace d’art contemporain de Caen
Palais ducal, Impasse Duc Rollon
14 000 Caen
0033(0)2 31 85 69 73
artotheque-caen.net
 
Kunst- und Geschichtsmuseum Baron Gérard
37 rue du Bienvenu
14 400 Bayeux
0033(0)2 31 92 14 21
 
Hotel l’Erguillère
Hôtel et salon de thé
Port Racine
50 440 La Hague
0033(0)2 33 52 75 31
hotel-lerguillere.com
 
Hotel-Restaurant Le Landemer
2 rue des douanes
50 460 La Hague
0033(0)2 33 04 05 10
 
Geburtshaus von Jean-François Millet
Hameau de Gruchy
Gréville Hague
50 440 La Hague
0033(0)2 33 01 81 91
 
Museum Thomas Henry
Le Quasar, esplanade de la laïcité
50 100 Cherbourg-en-Cotentin
0033(0)2 33 23 39 30