Die Netflix-Serie „Lupin“ ist seit Beginn des Jahres ein Hit und schaffte es auf Anhieb als erste französische Serie unter die Top-Ten des Streamingdienstes in den USA. Auch im deutschsprachigen Raum hält sich „Lupin“ seit Wochen unter den 10 beliebtesten Serien. Im spannenden Finale der ersten Staffel begleiten wir Omar Sy, alias „Assane Diop“, nach Étretat in die Normandie. Doch wer war der fiktive „Gentleman-Gauner“ Lupin, wer hat ihn erschaffen und wieso ist die Normandie Schauplatz einiger seiner Abenteuer? Hier kommen die Antworten.

Die Geschichte hinter der Serie

Sie haben die erste Staffel der Serie „Lupin“ zu Ende geschaut und fragen sich, was es mit dem Meisterdieb Arsène Lupin auf sich hat. Und wer war eigentlich Maurice Leblanc, der Autor, auf dessen Ideen und Geschichten sich die Netflix-Serie immer wieder bezieht?

Wer war Maurice Leblanc?

Maurice Leblanc wurde 1864 in Rouen geboren. In seiner Kindheit liebt er Geschichten von Hexen, Kelten, Römern und natürlich von Wikingern. Mit der Zeit entwickelt er so eine tiefe Begeisterung und ein großes Wissen über seine Heimat. Insbesondere die Region um Rouen, das „Pays de Caux“, spielt eine wichtige Rolle in seinen Romanen. Zuerst schreibt Leblanc nur in seiner Freizeit, zu anstrengend ist sein Arbeitsalltag in einer Fabrik in Rouen. Mit seinem Umzug nach Paris ändert sich das Leben von Leblanc jedoch entscheidend. Neben seinem Studium in der französischen Hauptstadt arbeitet er als Journalist, darunter unter anderem für Le Figaro. Die Begegnung mit Pierre Lafitte, dem Verleger der großen französischen Tageszeitung, ist für Maurice Leblanc schicksalhaft. Lafitte beauftragt ihn, für das neue Magazin Je sais tout Krimi-Kurzgeschichten zu schreiben. Sein Held soll dabei zugleich ein Anti-Sherlock Holmes sein.

Wer war Arsène Lupin?

Ähnlich wie die Figur „Assane Diop“ in der Netflix-Serie ist auch die Romanfigur Arsène Lupin von Maurice Leblanc ein Meisterdieb, Verwandlungskünstler, ein Gauner – jedoch niemals ein Mörder -, und ein Frauenschwarm. Lupin kämpft für Gerechtigkeit – ein französischer Robin Hood sozusagen. Im Buch verwandelt sich Arsène Lupin in eine ganze Reihe von Personen. Er ändert dabei ständig sein Aussehen und tritt auf als Prinz Paul Sernine, Raoul d’Andrésy, Horace Velmont oder Don Luis Perenna. In der Serie kommen diese Persönlichkeiten als Alter-Egos von Assane vor. Auch der Name von Assanes Sohn Raoul ist nicht zufällig gewählt. In den Büchern und in der Serie schafft es Superman Lupin, seine Kontrahenten zu besiegen, selbst, wenn alles verloren scheint. Er legt Regeln eher großzügig aus, trickst die Polizei aus und glaubt vor allem an sich selbst und seine Überzeugungskraft.

Die Normandie in der Serie „Lupin“

Werden wir in der zweiten Staffel noch mehr von der Normandie sehen? Auch, wenn Staffel eins größtenteils in Paris spielt, geht es für Assane in der fünften Folge nach Étretat in die Normandie. Die erste Staffel der Serie ähnelt sehr dem ersten Buch „Die Abenteuer des Arsène Lupin“ von Maurice Leblanc. Die Normandie wird in den Buchfortsetzungen von Leblanc immer wichtiger. Hoffen wir also, dass wir auch in den nächsten Staffeln von „Lupin“ mehr von der Normandie zu sehen bekommen. Wir haben für Sie schon einmal die Orte der Normandie zusammengestellt, die in den Büchern von Leblanc vorkommen.

Die Normandie in den Büchern von Leblanc

Maurice Leblanc ist in der Normandie groß geworden, da ist es naheliegend, dass auch sein Romanheld seine Abenteuer hier erlebt. Leblanc lässt die Lupin-Abenteuer im „Cauchois-Dreieck“ stattfinden, in dem Gebiet zwischen den normannischen Städten Rouen, Le Havre und Dieppe. Daneben nimmt er seine Leserinnen und Leser außerdem mit in eine fiktive Normandie.

Arsène Lupin, der Gentleman-Gauner (1905)

Das fiktive „Château de Malaquis“ aus dem zweiten Kapitel „Arsène Lupin im Gefängnis“ siedelt Leblanc im Tal der Seine an, zwischen Jumièges und Caudebec-en-Caux. Das vierte Kapitel „Geheimnisvoller Reisender“ spielt in einem Zug in Richtung Rouen. Das neunte Kapitel „Sherlock Holmes kommt zu spät“, spielt im Pays de Caux. Es nimmt Bezug auf die Zugverbindung zwischen Paris und Le Havre. Das Château de Thibermesnil existiert wirklich – als Ruine aus dem 16. Jahrhundert in der Nähe von Dieppe.

Die hohle Nadel (1908)

Die Handlung beginnt in der Nähe von Dieppe, auf den Klippen der Alabasterküste zwischen den Dörfern Sainte-Marguerite und Varengeville. Der Buchtitel „hohle Nadel“ geht auf eine natürliche Kalksteinformation an der Küste von Étretat zurück. Hier soll der Ort sein, an dem die geheimen Schätze der französischen Könige aufbewahrt werden. Das Buch endet auf dem Bauernhof Neuvillette, der in der Realität existiert und zwischen Dieppe und Le Tréport liegt. Das „Château de Malaquis“ kommt auch in diesem Band vor. Als reale Vorbilder dienten Leblanc die Schlösser von Tancarville (in der Nähe von Le Havre), Valmont (in der Nähe von Fécamp) und Dieppe. Namen von Orten und Personen in diesem Buch beziehen sich auf die Namen tatsächlicher Orte in diesem Teil der Normandie.

Sonnenuntergang über Étretat
Sonnenuntergang über Étretat © Lionack Bruno Fotolia © Lionack Bruno – Fotolia.com

813 – Das Doppelleben des Arsène Lupin (1910)

Das normannische Dorf Doudeville im Pays de Caux war namensgebend für die Figuren der „Gebrüder Doudeville“ in diesem Buch. Das imaginäre „Château de Quevillon“ liegt ebenfalls im „Cauchois Dreieck“ an der Seine.

Die Gräfin von Cagliostro (1924)

Das Buch startet an der Alabasterküste, auf dem fiktionalen „Château de la Haie d’Etigne“ im Dörfchen Bénouville, östlich von Étretat. Das Schloss hat mit dem Schloss von Tancarville in der Nähe von Le Havre eine reale Vorlage. Auch die berühmte Abtei von Jumièges an der Seine kommt in diesem Roman vor.

Paar vor der Abtei von Jumièges
Abtei von Jumièges © bokeh © Bokeh

Auf den Spuren von Arsène Lupin in der Normandie

Zugegeben: Das Arsène Lupin-Festival in Étretat (Staffel 1, Folge 5) ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt. Aber es besteht kein Zweifel daran, dass Étretat ein Pilgerort für Lupin-Fans ist. Jeder, der das dritte Buch „Die hohle Nadel“ von Leblanc gelesen hat, erkennt die atemberaubend schönen Kreidefelsen von Étretat. Unverwechselbar ist vor allem der Felsen, der wie eine Nadelspitze ins Meer ragt. Hier soll er liegen, der unbeschreiblich wertvolle Schatz der Könige Frankreichs, den man nur durch einen Geheimgang erreicht. Für absolute Lupin-Fans ist Le Clos Arsène Lupin in Étretat der richtige Ort. Im ehemaligen Wohnhaus von Leblanc heißt heute das Lupin-Museum seine Gäste willkommen. Entdecken Sie die Geheimnisse von Leblanc und Lupin mit Audioguides und tauchen Sie ein in die Welt des „Gentleman-Gauners“.

Absolut sehenswerte Orte in der Normandie für Lupin-Fans

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