Urlaub in der Normandie zu machen, ohne auf Claude Monet zu treffen, ist fast unmöglich. Jürgen und ich, Ulrike, sind große Fans des berühmten Malers des Impressionismus. Aber auch ohne eine Vorliebe für die Kunstrichtung begegnet Ihnen die besondere Atmosphäre des Impressionismus überall in der Normandie. In Giverny, in Étretat, im Tal der Seine, in Le Havre…Doch wer war Monet wirklich?

Monet, der Rebell auf dem Weg in die Moderne

Auf Fotos sieht Claude Monet eher wie ein liebenswürdiger Großvater aus und hinter seinen Gemälden vermuten Sie sicherlich keine Revolution. Und doch ist Claude Monet mit voller Kraft ins kalte Wasser der Moderne gesprungen. Auf der Suche nach einer neuen Kunstform und begleitet von seiner Clique – revolutionären Künstlern, die genauso dachten, wie er.

Seine Anfänge bestreitet Claude Monet mit einigem Erfolg in Le Havre:
Er zeichnet politische Karikaturen. Hätten Sie gewusst, dass Eugène Boudin so auf Monet aufmerksam wurde und ihm vorschlug, mit ihm unter freiem Himmel zu zeichnen? Für Monet ist das Malen mit schnellen Pinselstrichen und vielen Farben in der Natur eine Offenbarung. Zu einer Zeit, in der die Ateliermalerei und detailgetreue Nachbildung von Motiven vorherrscht. „Es war, als hätte sich ein Vorhang gelüftet“, sagt er später. Mit 19 Jahren zieht er nach Paris, wo er Pissaro, Guillaumin, Sisley, Bazille und Renoir kennenlernt: das Abenteuer beginnt.

Die Ironie des Establishments

Die Anfänge Monets sind schwierig. Auf keinem offiziellen Kunstsalon werden die Impressionisten mit ihren Werken zugelassen. Monet nimmt deshalb an einer Gruppenausstellung 1874 teil, wo er unter anderem sein Gemälde „Impression, soleil levant“ (Eindruck, Sonnenaufgang) des Hafens von Le Havre ausstellt. Der Kunstkritiker Louis Leroy schreibt hinterher über dieses Gemälde, selbst eine primitive Tapete sei vollendeter als dieses Seegemälde. Er fügt ironisch hinzu: „Puisque je suis impressionné, il doit y avoir de l’impression là-dedans“ (etwa „weil ich (negativ) beeindruckt bin, muss das Gemälde scheinbar beeindruckend sein“). Der Name „Impressionismus“ war geboren. Jürgen und ich müssen über diese Geschichte schmunzeln, denn so haben die Impressionisten ihren Kritikern doch ein Schnippchen geschlagen.

Monet, der erste Ausflügler?

Von nun an reist Monet durch Frankreich und Europa. Er stellt seine Staffelei in Paris, Fontainebleau, Argenteuil, Vetheuil und natürlich in der Normandie in Honfleur, Rouen, Dieppe, Étretat oder Fécamp auf. Dann malt er am Mittelmeer, in London, in den Niederlanden, in Oslo und Venedig. Monet malt nicht nur die Moderne, sondern geht vollständig in ihr auf. Er nutzt die neuen Eisenbahnverbindungen, packt die Modernität sozusagen bei den Hörnern, und erschafft gänzlich neue Motivansichten. Außerdem ist er ist begeistert vom Orient und leidenschaftlicher Sammler japanischer Briefmarken, die Sie noch heute in seinem Haus in Giverny bestaunen. Mit 43 Jahren dann zieht er in das kleine Dorf Giverny und errichtet seinen herrlichen Garten.

Zu Tisch mit Freunden

Es ist halb zwölf und Monet sitzt am Mittagstisch – denn gutes Essen ist ihm heilig. Monet ist ein Gourmet und Lebemann und fühlt sich wohl inmitten seiner Familie und Freunde. Eine Eigenschaft, die den Künstler für Jürgen und mich so sympathisch macht. Mit Pissarro, Sisley, Rodin, Cézanne, Bonnard, Guitry und Clémenceau verbinden ihn enge Freundschaften und viele Briefe.

Farben über Farben – in Serie!

Farbexplosive Malerei mit angedeuteten Konturen, schnelle Pinselstriche, Alltagsthemen statt Atelierkunst. Monet gehört nicht nur zu den Künstlern, die eine gänzlich neue Kunstrichtung entwickeln. Sondern er erfindet auch das Konzept der Serie. Er malt verschiedene Versionen seiner Meules (Mühlsteine), Peupliers (Pappeln) und der Kathedrale von Rouen in identischem Format, aber zu jeweils anderen Tages- oder Jahreszeiten. „Andere Künstler malen eine Brücke, ein Haus, ein Boot und sind dann fertig. Ich möchte die Luft malen, in der die Brücke, das Haus, das Boot sich befinden. Die Schönheit der Luft [der Atmosphäre], in der sie sich befinden – und das ist praktisch unmöglich“, hält Monet fest.

Monet, der Meister der Moderne

Seine Seerosen werden Monets Obsession und sein letztes großes Projekt von 1890 bis zu seinem Tod 1926. Über 300 Seerosengemälde entstehen, davon 40 großformatige Gemälde, für die Monet ein eigenes Atelier in Giverny bauen muss. In den Sälen des Orangerie-Museums werden Sie mit Gemälden, die sich auf mehr als 100 Meter erstrecken und 2 Meter hoch sind, von den Seerosen Monets umgeben. In diesem Universum der Moderne merken Sie, dass dieses Kunstkonzept über den Impressionismus hinausgeht. Es kündigt schon beinahe die Abstraktion von Künstlerinnen und Künstlern wie Joan Mitchell oder Sam Francis an.

Auf den Spuren Monets in Frankreich

Wenn Sie eintauchen wollen in die Welt und das Leben des Künstlers, dann reisen Sie nach Giverny und baden sie im Blütenmeer von Monets Garten. Das Grab von Monet liegt auf dem Friedhof von Giverny. Stellen Sie sich an den Southampton-Kai von Le Havre, wo alles begann. Beobachten Sie den Verlauf der Sonne auf der Fassade der Kathedrale von Rouen. Oder nehmen Sie das grandiose Panorama der Kreidefelsen von Étretat in sich auf.

Nachdem Sie die Originalschauplätze gesehen haben, staunen Sie über seine Meisterwerke in zahlreichen Museen in der Normandie und in Paris. Der Seerosen-Saal im Musée de l’Orangerie in Paris, das Meisterwerk „Impression, soleil levant“ von Le Havre im Museum Marmottan-Monet in Paris, die Kathedralen von Rouen im Musée d’Orsay „Effets de soleil couchant à Pourville“ im Museum von Vernon, „Vue générale de Rouen“ im Museum der Schönen Künste von Rouen oder „Le Parlement de Londres“ im MuMa von Le Havre.

Praktische Informationen

impressionistadventures.com

Philippe Piguet: Ur-Enkel von Claude Monet

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