Mit ihren Wäldern und Flüssen, ihren Stränden und ihrer Küste ist die Normandie für meinen Mann Jürgen und mich, Ursula, ein ideales Wanderziel. Ob am Meer, durch grüne Wälder oder entlang der Seine – beim Wandern in der Normandie kommen wir zur Ruhe und genießen die normannische Landschaft in vollen Zügen. Hier stellen wir Ihnen unsere Wander-Tipps für die Normandie vor. 

Die Bucht von Sallenelles: Artenreiches Mündungsgebiet des Flusses Orne

Am Meer in Ouistreham

Während eines Urlaubs in Caen und an unserem Besuch an den Landungsstränden haben wir die Bucht von Sallenelles entdeckt. Hier mündet der Fluss Orne in den Ärmelkanal und bietet Zugvögeln, Küsten- und Meerestieren ein reiches Buffet. Die Bucht von Sallenelles hat uns aus verschiedenen Gründen begeistert:

  • Mit ihren typischen Küstenlandschaften aus Dünen, Salzwiesen, Watt, Sumpfgebieten und sandigem Uferland ist die Bucht von Sallenelles sehr abwechslungsreich und kann dennoch gut an einem Tag besucht werden.
  • Das Mündungsgebiet ist von Caen aus in Richtung Ouistreham auf dem Fahrradweg Vélofrancette bequem mit dem Fahrrad zu erreichen (einfache Strecke ca. 15 Kilometer). Ideal: Der Fahrradweg verläuft entlang des Kanals des Flusses Orne, ohne Autoverkehr. In der Bucht gibt es jedoch auch verschiedene Parkplätze, die als Start- und Endpunkt einer Wanderung dienen können.
  • Nördlich von Sallenelles gibt es den kurzen Rundwanderweg von ca. 3 Kilometern um das Vorgelschutzgebiet „Gros Banc“, den wir bequem in einer Stunde laufen konnten. Praktisch: Direkt neben dem Parkplatz des Schutzgebietes gibt es eine Vogelbeobachtungsstation.
  • Das Natur-Besucherzentrum (Maison de la nature et de l’estuaire) hat uns mit Kartenmaterial und Tipps bei der Planung unserer Wanderung sehr geholfen.

Weitere Informationen zu Wanderungen im Mündungsgebiet des Flusses Orne haben wir auf der Website von Calvados Attractivité gefunden.

Wandern in der normannischen Schweiz

Wanderung in der normannischen Schweiz
Wanderung in der Normannischen Schweiz © Calvados Tourisme

Die Normandie ist – außer an der Küste – eher flach, das haben Jürgen und ich auf unseren Reisen in die Normandie bereits gemerkt. Umso erstaunter waren wir, als wir dann auch im Inland auf Schluchten und Felswände gestoßen sind – in der normannischen Schweiz. Während sich hier für die Jüngeren Kajak- oder Klettertouren auf der Via Ferrata anbieten, freuen wir uns über die schönen Wanderwege und die tolle Panorama-Aussicht in diesem Teil der Normandie.

Eine Vielzahl von Wanderungen haben wir auf der Webseite des Tourismusbüros der normannischen Schweiz gefunden. Auch gibt es online die Möglichkeit, Kartenmaterial zu kaufen. Wir haben uns dafür entschieden, eine Wanderung an der Roche d’Oëtre zu unternehmen. Die Roche d’Oëtre ist ein Felsvorsprung, der wie ein Balkon in 118 Metern Höhe einen tollen Panorama-Blick auf die normannische Landschaft ermöglicht. Ausgestattet mit einem Picknick und Cidre haben wir einen Tagesausflug zu den Schluchten der normannischen Schweiz unternommen. Die verschiedenen Rundwanderwege sind jeder für sich bequem innerhalb von einer bis vier Stunden machbar.

Weitere Informationen zu Wanderwegen in der normannischen Schweiz

Der Küstenwanderweg „Alter Zöllnerpfad“ im Westen der Normandie

Wandern auf der Halbinsel Cotentin
Wandern auf der Halbinsel Cotentin © Thierry Houyel – CRT Normandie

Der Küstenwanderweg GR223 der Normandie wird auch „Alter Zöllnerpfad“ genannt und ist für uns einer der schönsten Fernwanderwege der Normandie. Auf einer Länge von insgesamt 446 Kilometern zeigt sich die Normandie hier wild und romantisch mit langen Stränden, hohe Klippen, Leuchttürmen, Fischerorten und zum Schluss dem magischen Mont Saint-Michel. Jürgen und ich sind weit davon entfernt, alle Abschnitte des Wanderwegs gelaufen zu sein. Als besonders schöne Wanderung empfehlen wir jedoch den Weg von Saint-Vaast-la-Hougue im Osten der Halbinsel Cotentin zum Leuchtturm nach Gatteville. Mit 17 Kilometern eine anspruchsvollere Strecke, die jedoch tolle Küstenpanoramen bietet und uns am Ende mit einem Foto vor dem zweithöchsten Leuchtturm Europas belohnt hat.

Informationen zum Küstenwanderweg „Alter Zöllnerpfad“

Wandern zu den Wasserfällen von Mortain

Die Wasserfälle von Mortain
Die Wasserfälle von Mortain © Vicki SPI – Shutterstock

Schon von Weitem hören wir das Rauschen der Wasserfälle, es plätschert und gluckert, während wir vorbei an hohen Felsenwänden laufen. Die Wasserfälle von Mortain gehören zu den größten und schönsten Wasserfällen Nordwestfrankreichs. 25 Meter stürzen die Wassermassen die Felsen herunter. Die Felsen des armorikanischen Massivs, das wir bereits aus der normannischen Schweiz kennen, türmen sich hier auf. Über Treppenstufen geht es zur Grande Cascade, und dann weiter über einen Pfad zur Petite Cascade. Seit 1930 sind die Wasserfälle von Mortain geschützt. Wir haben auf unserem Weg zusätzlich noch die Stiftskirche Saint Evroult und die Kapelle St. Michel besichtigt.

Die Website des Départements Manche bietet nützliche Informationen für eine Wanderung zu den Wasserfällen von Mortain.

Unsere Wanderung durch das Land des Camembert und zur dreihundertjährigen Eiche im Wald von Bellême

Bellême, kleine Stadt mit Flair
Bellême, kleine Stadt mit Flair © Ben Collier

Der regionale Naturpark Perche und der Süden des Pays d’Auge sind wunderschöne Wanderregionen der Normandie. Jürgen und ich schwärmen für diesen unterschätzten und geheimnisvollen Teil der Normandie. Zwei Wanderungen finden wir besonders malerisch: Wandern auf den Spuren der Camembert-Erfinderin Marie Harel und Wandern durch den Wald von Bellême zur dreihundertjährigen Eiche bei La Perrière.

Der 18 Kilometer lange Rundwanderweg auf den Spuren von Marie Harel, mit Start und Ziel in Vimoutiers, im Süden des Pays d’Auge ist sehr anspruchsvoll, aber malerisch. Auf von Hecken umgebenen Hohlwegen laufen wir durch die Region der Normandie, in der der berühmte Camembert entstanden ist. In Maison du Camembert in Camembert stärken wir uns mit – natürlich – Camembert und laufen dann ungestört wieder zurück nach Vimoutiers. Wir sind noch eine Nacht länger in Vimoutiers geblieben, und haben uns das Camembert-Museum angesehen.

Die Rundwanderung mit Start und Ziel in La Perrière durch den Wald von Bellême und das Hinterland des Départements Orne hat ein leichtes Niveau und ist 11 Kilometer lang. Der Wald von Bellême ist ein dichter Eichenwald. Uns würde es nicht wundern, wenn hinter der nächsten Eiche Astérix und Obelix aufgetauchen, wir fühlen uns wie in der Zeit zurückversetzt. Das Highlight der Wanderung ist die alte Eiche, die „Chêne de l’école“ (Eiche der Schule) genannt wird, nicht etwa, weil sie an einer Schule steht, sondern weil sie 1927 der nationalen Hochschule für Forstwirtschaft gewidmet wurde. Diese Eiche hat einen Durchmesser von 4,5 Metern und ist 42 Meter hoch! Wenn Sie ihre Geschichten erzählen könnte, so gingen diese bis zum Sonnenkönig Ludwig XIV zurück, denn Sie ist ca. 1666 entstanden und über 350 Jahre alt. Bitte beachten: Vorsicht ist auf dieser Wanderung zur Jagdsaison zwischen Oktober und Ende Februar geboten.

Nützliche Informationen für Wanderungen im Süden der Normandie

Wandern entlang der Seine auf der Route der reetgedeckten Häuser der Normandie

Das Marais Vernier
Das Marais Vernier © D. Salou © Didier Salou Fotolia-com.jpg

Die Route der reetgedeckten Häuser im regionalen Naturpark der normannischen Seine-Schleifen ist ein absolutes Highlight. Statt die Route mit dem Auto oder dem Fahrrad zu erkunden, entscheiden wir uns für eine Wanderung zwischen den beiden hübschen Orten Aizier und Vieux Port. Die Wanderung nennt sich „Chemin des Sources Bleues“ (Weg der blauen Quellen) und führt vorbei an Spuren aus prähistorischer Zeit, zwei Kirchen, der Kirchenruine von St. Thomas und an zahlreichen malerischen Reetdachhäusern. Wir sind entzückt, denn die Reetdachgiebel sind in der Normandie mit bunten Iris-Pflanzen verziert und in den Gärten leuchten die Hortensien. Das Seine-Tal hat viele Höhen und Tiefen, das Niveau der Wanderung ist dennoch leicht. Für 7 Kilometer benötigen wir circa 2 Stunden. Wir laufen die meiste Zeit im Schatten und werden mit außergewöhnlichen Panoramen auf die Seine belohnt.

Nützliche Informationen zur Wanderung an der Seine

Küstenwanderung an der Alabasterküste bei Étretat: Der beliebteste Wanderweg der Franzosen 2020

Der GR21 ist Frankreichs beliebtester Küstenwanderweg 2020 und trägt diesen Titel unserer Meinung nach vollkommen zurecht. Er führt entlang der normannischen Alabasterküste, auf seinem Weg liegen Dieppe, Veules-les-Roses (die Austern unbedingt probieren) oder Fécamp und Étretat. Die Kreidefelsen der Alabasterküste strahlen mal schneeweiß, mal tiefrot in der Abendsonne. Besonders schön (und anspruchsvoll) sind die „Valleuses“, kleine steil abfallende Buchten entlang der Alabasterküste. Auch, wenn der Wanderweg aufgrund seiner Steigungen anspruchsvoll ist, so ist er dennoch einer unserer liebsten Wanderwege der Normandie. 

Der Küstenwanderweg GR21 im Video

Nützliche Informationen zum Wanderweg GR21